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Für uns ist Essen auswärts immer ein gewisser Grenzgang. Alinas Zöliakie verhindert regelmäßig, dass wir einfach irgendwo einfallen, um satt zu werden. Insbesondere Stralsund – eigentlich die ganze nordöstliche Ecke Deutschlands – ist auf der Karte der Deutschen Zöliakie Gesellschaft ein weißer Fleck.

Irgendwo ein Eis zu essen ist selten Problem, auch wenn manchem Verkäufer auf Nachfrage zur Allergenliste kurz das Gesicht einschläft und dann das wilde Suchen nach der Liste beginnt. Wie gesagt, nicht oft, meist hängt die Liste aus. Aber das passiert. Im Restaurant fällt die Sache gerne schwieriger aus. Einerseits, weil in der Küche oft die notwendige Trennung zu/mit glutenhaltigen Lebensmitteln nicht eingehalten ist; Andererseits ist die Bandbreite dessen, was Kinder gerade jetzt essen würden oft schmal und immer divergent zum Angebotenen.

Vom Restaurant ‚Delikater‚ im Stralsunder Zoo hab ich die Karte schon abgecheckt. Da gibt es jedenfalls was für Alina, das wird kein großes Problem werden. Morgen soll eher „durchwachsenes“ Wetter, da könnte man dort einen Besuch einplanen. Wir sind gerne draußen, wenn es ein bisschen mistig wird. Im Ozeaneum werden dann alle sein.

Wir würden aber doch schon gerne wenigstens einmal in Stralsund Abendessen gehen, Auf unserem Hafenspaziergang nehme ich die Gelegenheit wahr, die Möglichkeiten zu checken. Maria und ich erinnern uns gerne an vergangene Besuche im Fischermänns. Der Küchenchef ist überaus konmpetent in Sachen Zöliakie. Wir sollen zwar bei der Tischreservierung Bescheid sagen, aber dann wird das alles kein Problem sein. Ich bin fast ein bisschen überrascht. Fetzt.

Wir dödeln weiter durch den Hafen – die Gorch Fock gucken wir bestimmt noch an, schon weil Mika unbedingt mal ein Segelschiff von Nahem sehen will. Zu unserem Eis kommen wir dann erst hinten am Alten Zollhaus. Man weiß auch hier um das Zöliakie-Thema und nach einem kurzen Anruf ist klar, das inzwischen wirklich alle Eissorten glutenfrei sind. Hier gibt es im Übrigen das erdbeerigste Erbeereis, Stachelbeer, Sanddorn und Haselnuss sind nicht weniger empfehlenswert. Und mit dem Verkäufer ist gut flachsen – Mika bleibt glatt der Mund offen stehen. Das hat Spaß gemacht.

Vielleicht ist Stralsund zu Unrecht ein weißer Fleck auf der DZG-Karte. Wir sind optimistisch.

(swg)

Unsere erste Buchung der Ferienwohnung in Stralsund hatten wir verrissen. Total. Eigentlich sollte die zwei Wochen später gebucht sein, als sie es jetzt ist. Das Buchungsportal hat aber wild Reisedaten neu ausgefüllt, wenn man neue Anfragen startete. So erhielten wir eine freundliche Rückfrage per Email, am 11. April, warum wir denn nicht angereist seien?! … Panik!

Glücklicher Weise lies sich alles noch gerade biegen, mit nur kleiner Ablöse fürs (zu) späte Umbuchen. Nur musste unsere Woche in Stralsund nun vor unsere Rostockwoche rücken. Den Kindern haben wir von ihrem frei beweglichen Schulurlaub 5 vor die Ferien gebucht. Am Ende war das nicht mal nötig, weil die Unischule zwei Wochen vorn an die Sommerschließzeit anhängen musste: Umbauarbeiten im Bestandsgebäude.

Jetzt sind wir in der Mitte Stralsunds, schauen über die spitzen Dächer, auf die Nikolaikirche, hören Schwalben zirpen und Möwen kreischen. Und es ist alles sauber hier, das notwendige vorhanden und zweckmäßig eingerichtet, wie wir das als fünfköpfige Familie brauchen.

Durchatmen, Erleichterung. Wir gehen uns im Hafen ein Eis erbummeln; Die Kinder mit ollen Kamellen über längst vergangene Besuche, weit vor ihrer Zeit, langweilen ;)

(swg)

Wenn man davon absieht, dass sich hinter Eberswalde wieder einer versucht hat umzubringen, ist die Zugfahrt glatt verlaufen. Nicht mal das Umsteigen in Berlin, mit dem obligatorischem Gleiswechsel, war ein Problem. Der Bahnsteig blieb derselbe, nur umdrehend und gut. Als Fan der Deutschen Bahn würde ich mich ja nicht bezeichnen. Aber inzwischen, vor allem mit Kindern, fahre ich am liebsten mit dem Zug. Man ist von der Verpflichtung frei, irgendwas lenken zu müssen. Und insbesondere mit dem Auto ist man auf langen Strecken einfach nicht schneller, als mit dem Zug.

Die Bequemlichkeit, dass kleinste Kind nicht in seinen Sitz fesseln zu müssen, ist durch nichts zu ersetzen. Da hält man schon mal den jammernden Teenager aus, der deutlich mehr Stress verspürt als man selbst, wenn der Kleinste anfängt herumzuwirbeln und sein Gehirn abschaltet; Sei es aus Hunger, Langeweile oder beidem. Worüber sich dann gerne irgendwelche alten Schranzen aufregen, wie unerzogen, das Kind ja sei. Was noch mehr Stress beim Teenager macht und zusätzlichen bei mir, der schon mit Kinderhändling gefordert ist. Entweder hatten die nie Kinder – also Jungs – oder der Kalk rieselt schon so, dass geistiges Dunkel sich über alles weit vergangene gelegt hat. Ich frage mich, was das ist; Demenz kann es ja nicht sein, oder? Da geht ja erst die nahe Vergangenheit flöten und das Ferne wird wieder umso präsenter. Ich schweife ab.

Heute gab’s zum Glück nur eine Beschwerde: Über die Geräusche des Bauernhofbuches (die wir schon mit dem Finger auf dem Lautsprecher zu dämpfen suchten). Was das denn sei – ein Buch – und ob das jetzt sein müsse!! – Ja. Mein Angebot von Kindergeschrei stattdessen bis Berlin wurde stumm abgelehnt. Ich bin gespannt, ob sich das jemals ändern wird, Hoffnung hab ich wenig bis keine. Kinderfreundlich und -tolerant ist Deutschland immer nur so lange, wie die Kinder sich bilderbuchmäßig verhalten.

Oh: Und ich habe gelernt, dass die Deutsche Bahn in ihren ICEs einen IQ-Test eingebaut hat: Im Abteilwagen haben wir genau da gesessen, wo die Automatiktür das Großraumabteil abtrennt. Ungefähr Hälfte der Leute scheitert daran, den Sensor der Tür auszulösen. Man muss halt entweder recht nah an die Tür herantreten oder eben einfach mal winken. Scheint sehr schwer zu sein. Manch einer hat sogar umgedreht.

Schlussendlich hat uns der Zug mit 40 min Verspätung am Stralsunder Hauptbahnhof abgesetzt. Und so wie das gelaufen ist, bin ichs zufrieden; Mit dem Verlauf, mit der Freundlichkeit des Personals, dem Platz und allen Annehmlichkeiten einer Zugfahrt, und mit meinem Kaffee aus dem Bordbistro.

Jetzt hoffen wir mal, dass wir mit der Ferienwohnung mehr Glück haben, als die letzten Male. Vom Bahnhof aus lohnt es sich gar nicht darüber nachzudenken, wie man am Besten hin kommt: Ein Fußmarsch in die Altstadt, zur Nikolaikirche ist keine Herausforderung, eher eine Entspannung nach dem langen herumsitzen.

(swg)

Mika kann mit dem Begriff „Ausschlafen“ einfach nichts anfangen. In dem Alter weiß er natürlich weder wie man das schreibt, aber auch offensichtlich überhaupt nicht was das bedeutet. Vor um sechs ist einfach eine sehr unchristliche Zeit, erst recht im Urlaub. Da wir heute wieder weiter ziehen, mit unserem Gepäck an den Fahrrädern, verhindert er zumindest, dass wir komplett verpennen. Mit Frühstück und zusammenpacken schiebt sich unser Aufbruch eh weit Richtung Mittag.

Aufbruch

Vom Campingplatz in Quitzdorf weg will Mika Laufrad fahren, seinen Bewegungsdrang ausleben. »Du hast keine Gummistiefel an! Fahr nicht durch Pfützen!« Die erste große auf dem Weg nimmt er natürlich voll mit; Leider ist es auch eine neben der asphaltierten Straße, so eine richtig schön tiefe, schlammige. Er steht jetzt ein bisschen unsicher da, auf seinem Laufrad sitzend, guckt auf seine braunen ,nassen Schuhe, und überlegt offenbar wie es wohl weiter geht. So fröhlich, wie er losgeschossen ist, sieht er gerade nicht mehr aus; Es arbeitet ein bisschen in seinem kleinen Köppl … … … Dann fährt er aber doch weiter; Etwas verhaltener vielleicht. Und wahrscheinlich mit quitschenden Schuhen. Mal lässt er sich den leichten „Hügel“ rauf schieben, mal flitzt er vorneweg, dann stoppt er plötzlich und betrachtet ausgiebigst eine Schnecke bei ihrem Weg über den Asphalt. Voran kommen wir nicht, aber es ist ja noch nicht soo spät. Wenigstens hat er auf die Art Auslauf und wird vielleicht auch müde.

Irgendwann erreichen wir doch die Landstraße nach Niesky. Wenngleich ein Radweg nebenher läuft, will ich Mika hier nicht laufradeln lassen. Fertig genug ist er sowieso; Zeit, ihn in den Chariot zu pflanzen. Das wir ihn nochmal wickeln wollen, passt ihm nicht so richtig, erdulden muss er es aber doch. Immerhin: Eine Socke ist trocken geblieben; Die schlammigen Schuhe kommen in einen wasserdichten Beutel.

Einkaufen

Bevor wir endgültig ins Kinderparadies fahren, gilt es noch ein paar Vorräte aufzustocken. Niesky hat ein paar Einkaufsmöglichkeiten; Vom Samstag weiß ich: Im Rewe gibt es gerade nicht nur keine Kartoffeln, sondern auch keine glutenfreien Nudeln. Vielleicht hat der Edeka welche, der liegt auch auf unserem Weg. Niesky hat das übliche Problem von „Warum hört der Radweg hier einfach auf … ?!“ gepaart mit ‚abwechslungsreicher‘ Fußweg- und Fußweg-mit-Fahrrad-frei-Beschilderung. Zu schmal ist der Fußweg sowieso immer, ob nun erlaubt oder nicht. Ein gequirlter Mist. Und auch wenn auf der zu engen Straße die Autos hinter uns bleiben: Man bekommt unsubtil vermittelt, dass man ein Hindernis darstellt; NY-* Nummernschild halt.

Mika ist im Chariot eingeschlafen, also gehe ich nicht mit zum einkaufen in den Edeka, bleibe draußen. Vom Mühlenbäcker gibt es einen Kaffee und ich pflanz mich an einen der Tische mit Blick auf den Parkplatz. An so einem Parkplatz, an der Supermarkt-Tür kann man ganz gut Leute beobachten. Hier trifft ‚man‘ sich zufällig, sagt »Hallo«, tauscht sich aus, »wie geht’s?« redet über Urlaub und so. Ein Pärchen lässt sich die Reiseerlebnisse einer Freundin erzählen: Unterwegs gewesen, Camping weit weg. Am Ende kommt man noch drauf, das Camping in der Nähe auch ganz schön ist, drüben in Elsterwerda, an ’nem See. Freunde wären da regelmäßig, da sei es sehr schön. Und ein bisschen international sei es sogar; Alle da: Franzosen, Niederländer, Polen, Wessis … „Wessis“. Ernsthaft? Ich dachte nicht, dass das nach über 30 Jahren noch eine Kategorie ist; In Ostsachsen offenbar schon.

Tour

Ostwärts verlassen wir Niesky Richtung Horka; Ab Ortsausgang haben wir endlich wieder einen Radweg neben der Landstraße. Lange müssen wir der nicht folgen, nach Horka hinein gibt es eine schmale Nebenstraße. Noch ist das Wetter nur trübe und nieselig. Alsbald biegen wir ab und der Asphalt weicht Fahrspuren mit Gras in der Mitte. Bis Biehain hält das Wetter noch halbwegs durch, dann beginnt es doch richtig zur regnen. Eilig ziehen wir unsere Regenhosen an; Ein veritabler Landregen pladdert verdrießlich auf uns nieder. Teils verläuft der Weg durch den Wald, da ist das nicht ganz so unangenehm.unbefestigter Weg hinter BiehainImmerhin sind die unbefestigten Nebenwege ohne große Löcher und Pfützen: Man pflegt sie, sie werden gebraucht, von Bauern etwa. Außerdem säuft der sandige Boden den Regen geradezu.Landmaschine auf abgeerntetem FeldLängs der Bahnlinie, auf die wir hinter Biehain stoßen, bleibt der Weg gut. Es gibt einen neuen Bahnübergang, den wir 2020 nicht nehmen konnten; Jetzt ist der passierbar. Er verspricht eine deutliche Abkürzung nach Turisede.

Weniger lang dauert die Route aber nicht, als der Weg, den wir damals gefahren sind. Die wurzeligen Waldwege machen unser Vorankommen mühselig und langsam. Dafür ist der Wald aber ganz skandinavisch, oder wie im Baltikum: Alles steht voller Preißel- und Heidelbeeren! An einer Weggabelung machen wir Rast. Der Regen hat fast aufgehört und Hunger hab ich auch und außerdem quengelt Mika. Im Chariot ist ihm langweilig geworden und das Geschüttel ey, das gefällt ihm nicht.viele Heidelbeeren im lausitzer WaldMika und Janni essen Heidelbeeren im lausitzer WaldHier, zwischen all den Blaubeeren, kann er ganz nach belieben herum panzeln; Was falsches zu essen wird er eher nicht finden.

Nach gut einer dreiviertel Stunde fahren wir weiter, denn auch wenn die Trollpforte – das Tor nach Turisede – nur noch einen Kilometer weit weg ist: Wir müssen danach die Neiße nach Polen überqueren. Dort, im Turiuswinkel, haben wir unsere Übernachtungen gebucht. Zwei umgestürzte Bäume legen sich uns noch in den Weg, wir lassen uns aber nicht mehr aufhalten.

Der Checkin ist unspektakulär, genau wie der Weg über die Grenze – das Neiße-Café kennen wir schon. Nur das grüne Zelt mit Grenzsoldaten ist neu. Skuril. Und vollkommen albern. Aber auch in Polen hat man jedes Recht, sich politisch zum Obst zu machen, wir haben dafür ja auch einen Söder. An der Rezeption vom Turiuswinkel empfängt man uns warm und freundlich und auf deutsch. Mein Polnisch reicht über ‚dzień dobry‘ sowieso nicht hinaus. Die Formalitäten hatten wir schon an der Trollpforte erledigt, nur unsere Hütte, den „Tagträumer“, muss man uns hier noch zeigen.

Mit unseren letzten Besuchen hat sich der Turiuswinkel stetig entwickelt und erweitert. Der Zeltplatz bietet nicht nur viel Fläche, er ist inzwischen auch mit sehr viel Spielmöglichkeiten für Kinder – und Kind gebliebene – ausgestattet.Spielgeräte im TuriuswinkelSpielgeräte im TuriuswinkelSpielgeräte im TuriuswinkelSpielgeräte im TuriuswinkelSpielgeräte im TuriuswinkelSpielgeräte im TuriuswinkelDazu gibt es die deutsch-polnische Büffel-WG, das Ziegenschloss und – neu – die Wellensittich-Voliere.Wellensittich-VoliereWellensittich-VoliereWellensittich-VoliereDazu bietet das SehCafé kulinarisches, für uns wird es dort Frühstück geben: Auf Nachfrage gibt es für Alina glutenfreie Brötchen. Ansonsten erwarten wir am Buffet eher keine Schwierigkeiten, es ist eh alles einzeln angerichtet und mit eigenem Löffel/Gabel versehen. Nicht zuletzt wird Mika schon dafür sorgen, dass wir die Ersten beim Frühstück sind …

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