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Es ist Herbst und es ist die beschissenste Zeit für Radfahrer. Indirekt liegt das am nasskalten Wetter. Persönlich stört mich das nicht – mein größter Feind ist Wind, der Rest ist mir Schnuppe; Schlechtes Wetter ist ein Problem falscher Kleidung. Es ist eher so, dass jetzt die ganzen Schönwetterradler sich wieder in ihre anderthalb Tonnen Blech quetschen und überrascht feststellen, das der Verkehr ja so unglaublich zugenommen hat. Natürlich muss man trotzdem und am allerschnellsten von allen am Ziel sein. Also wird rücksichtslos gedrängelt und extremst knapp überholt. Ist auch scheißegal, wer da auf dem Fahrrad sitzt, nicht mal Schulkinder werden geschont. Wenn man sich dann als Radfahrer beschwert kann man sich aber was anhören. Diese Woche war ich schon ein “Kommarandu Spaßt” und “Lernema Farradfahn” – was es nicht alles für Vögel gibt. Bleibt zu konstatieren, dass Menschen Arschlöcher sind, motorisierte im Besonderen.

(swg)

Dresden leistet sich neue Straßenbahnen, immerhin ist die erste Niederflur-Generation schon wieder 25 Jahre alt. Den Mockup der Neuen hatten wir uns damals schon im Verkehrsmuseum angeguckt. Schick, nur die Sitze waren zu hoch. Die wirkliche Besonderheit der neuen Straßenbahnserie ist ihre Breite: 2,65 m statt 2,30 m. Es gibt mehr Platz innen und trotzdem passt die Bahn an den alten Bahnsteigen vorbei. Nichtsdestotrotz müssen die Gleise für die Begegnungssicherheit weiter auseinander gelegt werden. Pläne dafür werden schon seit den 80ern verfolgt und umgesetzt.

Für die Begrüßung der ersten Neuen veranstaltet die DVB eine relativ aufwendige Show mit fast schon Volksfestcharakter am Straßenbahn-Betriebshof in Gorbitz. Corona ist natürlich allgegenwärtig.Für die Präsentation der neuen Bahn musste man Zeitslots buchen, die Zuschauermenge ist stark begrenzt. Wir haben vorher noch Zeit uns all die ganz alten Vorgänger anzugucken.Oh, wir sind schon dran uns vor der Leinwand zu platzieren; Erst kommt die Show, danach darf die Neue begrabbelt werden.Video- und Laser-Show zur Geschichte aller alten Straßenbahnen mit Tänzern, jeweils in zeitgenössischem Outfit – das war wirklich cool gemacht. Aber dann hebt sich die Leinwand und die Neue wird in Echt angelasert und am Ende dürfen wir sie aus der Nähe sehen.Die erste Neue ist die größte Version, die es geben wird: 7 Glieder, ca. 54 Tonnen schwer, 2,65 m breit & 43,5 m lang mit Platz für bis zu 290 Fahrgäste.Drinnen ist wirklich sehr viel Platz, insbesondere die Fahrrad- und Kinderwagenabteile sind gigantisch.Es gibt nun auf beiden Seiten Doppelsitze, und nicht mehr die überbreiten Sitze auf einer Seite, wie in den alten Bahnen. Dazu kommen nette Details, wie die Fußkante und USB-Steckdosen.Technikafine werden immer einen Blick auf die Fahrwerkstechnik werfen können, für eine Verkleidung fehlt der Platz.Ich freu mich drauf, wenn die Neue im ersten Quartal 2022 ihre Probefahrten zur Inbetriebsetzung auf der Linie 2 absolvieren wird. Das Ding ist richtig gut geworden. Die Kinder mögen sie auch.Langsam müssen wir raus, die nächste Gruppe will die Neue angucken.

Wir können uns noch an den vielen alten Bahnen ergötzen.Der Hecht ist auch eine Dresdner Besonderheit. Die Spitze Form ist seiner Länge geschuldet: sonst wären die Bahnen in der Kurve kollidiert.Kinderbespaßung gibt es auch, mit Süßkram am Ende.Ich Knips mal noch die EB57, dunkel erinnere ich mich noch, dass die – wenn auch selten – durch Dresden fuhr. Ich fand’s damals sehr cool, wenn ich Gelegenheit zum Mitfahren hatte.Mittag steht an, vorher ist nochmal Kinderspaß an der Bühne.Jetzt ist auch Hunger fürs Mittagessen da – Quarkkeulchen, Bratwurst, Grillkäse (ja Mensch, klasse!).

Die DVB treibt einen großen Aufwand, den Dresdnern “ihre” Straßenbahn weiter schmackhaft zu machen, und ich kann nur gutes daran finden. Schön, einen so rührigen ÖPNV hier zu wissen.

(swg)

Als vor gut einem Jahr unser grüner Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften (Geschäftsbereich 6) und dritter Bürgermeister der Landeshauptstadt Dresden; Geschäftsbereich: Stadtplanungsamt, Straßen- und Tiefbauamt, Amt für Hochbau und Immobilien, Bauaufsichtsamt, Amt für Geodaten und Kataster) sich nach Heidelberg verabschiedete hatte ich ja große Bedenken, wie die Radverkehrsentwicklung in Dresden nun voranschreiten wird. Ich erinnere gerne an Erungenschaften, wie die verschwundenen Parkplätze auf der Sankt-Petersburger Straße, oder die Albertstraße, der eine Autospur zugunsten des Radverkehrs genommen wurde. Oder der Radbedarfsstreifen auf der Winterbergstraße. Es gib noch viel mehr. Und unter seiner Ägide wurde auch ein Radverkehrskonzept begonnen, das die Stadtteile durch schnelle und sichere Radwege- und -straßen verbindet.

Offenbar war meine Sorge recht unbegründet. In zwei Tagen wird eine Fahrradstraße als erstes Teilstück des Radwegeplans in Kleinzschachwitz freigegeben.

Trotzdem wird man sich als Radfahrer weiter Gehör verschaffen müssen, weswegen wir heute auf die Straße gehen der Straße fahren. Der ADFC und viele andere haben im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche zu Aktionen aufgerufen. Die Verkehrsverbünde in Sachsen lassen einen in diesen zwei Wochen zum Beispiel mit der lokalen Monatskarte Sachsenweit den ÖPNV nutzen. Fahrrad-Clubs haben zu einer Sternfahrt in Dresden aufgerufen – mit dabei natürlich der ADFC und Kidical Mass. So auch wir.Unseren Start haben wir an den Neuen Annenfriedhof gelegt.Treff der Sternfahrt ist am Skaterpark Lingnerallee.Alle gemeinsam radeln wir in einer großen Runde zum Goldenen Reiter, dort ist dann Abschlusskundgebung.

Die offizielle Zählung hat 1012 Radfahrende ergeben – da hätte ich mehr geschätzt, aber Fahrräder brauchen mehr Platz als Fußgänger. Den Kindern hat es definitv Spaß gemacht, die Straße zurückzuerobern. Oh, und in die Zeitung haben wir’s auch geschafft (drittes Bild in der Galerie).

(swg)

Wie jedes Jahr sind die Blüten unserer Königin der Nacht atemberaubend.Die beiden ersten Blüten haben wir tatsächlich verpasst. Inzwischen machen wir uns Erinnerungen in Telegram – das ist fast schon ein bisschen peinlich.

Während ich hier schreibe, weht die kühle Nachtluft zur Balkontür herein und trägt den schweren Duft der Blüten mit sich. Herrlich.

(swg)