Es gibt sie immer noch: Blogs, die die Form des Schreibens im Netz in der ursprünglichen Idee eines Blogs – Web-Logs – betreiben: Etwas zwischen Logbuch und Tagebuch gefüllt mit regelmäßigen Einträgen, gerne rund um ein spezielles Thema, oder auch einfach aus dem Leben. Ich mag das Bloggen um des bloggens Willen. Menschen, die ihren Alltag ein Stück weit ins Netz kippen; In Texten, die dabei über das Trompeten auf Twitter/X und Mastodon hinausgehen. Über Perlen, wie Markus‘ sein Blog Es regnet, freue ich mich und les‘ täglich mit.

Nun hat Markus auch noch einiges aus seiner Vergangenheit zu erzählen. Und da lange Rückblenden in einem Alltagsblog eher keinen Platz haben, ist’s ein Buch geworden, eine Novelle:

Springweg brennt

Lebenswege anderer faszinieren mich, natürlich vor allem abseits vom typischen Schule-Ausbildung-Arbeit-Haus&Kinder-ArbeitArbeitArbeit-Rentner-tot. Sicher, jeder hat so seine kleinen Schlenker. Aber wann schaut man schon mal in die Hausbesetzer-Szene im Utrecht der 90er? Das Büchlein macht mir Spaß, die Geschichte erzählt er recht geradlienig, wie sein Blog auch. Woanders sein, Freundschaft und ein bisschen den Weg finden, offenbar ohne zu sehr zu suchen.

Vielleicht habe ich zu sehr versucht, mit meiner Rezension zu gefallen, länglich drüber zu schreiben – und deswegen viel zu lange gebraucht, sie fertig zu bekommen. Und so mache ich es jetzt kurz; So viel gibt es über das schmale Büchlein nun nicht zu sagen – ohne es schmälern zu wollen! Im Gegenteil! Es ist schlicht sehr lesenswert, wenn man ein bisschen neugierig auf das Leben der Anderen ist: Lest es! Bestellt es direkt bei ihm, oder im Lieblingsbuchladen (meinem oder Eurem). Für Euren Kindl könnt ihr es beim großen A auch finden.

Springweg brennt, Markus Pfeifer
edition schelf
140 Seiten, 14 €, ISBN 978-3-819053-82-5

(swg)

Ein paar Kleinigkeiten aus dem Baumarkt fehlen mir. Und ich könnte die Nachbarin unter uns befrieden: Neue Schläuche! Nein, keine Herz-Op. Ich hab den Balkon geputzt, damit wir wieder regelmäßig draußen Abendbrot essen können. Dabei wurde ich darauf ‚hingewiesen‘, dass ich Schuld am nicht-blühen ihrer Blumen sei, letzten Sommer. Ich hab die nämlich mit den Ablaufschläuchen meiner Balkonkästen ersäuft!1!! Nur das die Schläuche weit raus und nicht in ihre Balkonkästen zeigen … Egal, neue Schläuche, längere, die in meine Ablaufrinne vom Balkon zeigen. Damit muss Petrus die Schuld an den Blumen künftig ganz auf sich laden.

Das große Tochterkind hat Lust aufs Fahrrad fahren: Und so radeln Alina und ich nach dem Abendbrot zusammen zum großen, orangen Baumarkt. Auf den regennassen Straßen ist an einem Samstagnachmittag kaum jemand unterwegs; Es hat sich deutlich abgekühlt, aber die Luft ist einfach herrlich, dazu gibt’s kaum Autos, die stören. Naja fast. Reibungslos über die Straßen zu radeln klappt nur genau deswegen: Es sind wenig Autos unterwegs. Zu solchen Zeiten sind die Autofahrer überdurchschnittlich geduldig; Man wird nicht bedrängt oder zu knapp überholt, weil sich niemand unter Druck fühlt, vielleicht von einem anderen Auto hinter ihm. Von Platz fürs Rad kann in Dresden immer noch nicht wirklich die Rede sein; Da fehlt einfach noch viel und bewegt sich zu wenig.

Manchmal glaube ich ja, dass es in meiner Stadt viele gibt, die mehr von Infrastruktur für Menschen und einer lebenswerte Stadt verstanden haben, als „die Stadt“ selbst. Der orange Baumarkt zum Beispiel. Gaaaanz ganz früher hatten die dort dieses typische Auto-und Fahrrad-Zubehör-Regal, dann flog das raus und es gab lange nichts. Nicht dass ich Fahrrad-Zubehör im Baumarkt gesucht hätte, war auch immer irgendwie eine Ramschecke. Aber die waren einer der Ersten, die ordentliche Fahrradständer vorm Eingang eingerichtet haben. Einbetonierte Bügel mit Platz rundrum, teils stehen die sogar unterm Vordach; Nicht einfach nur die hässlichen Speichenmörder! Seit neuestem haben sie sogar eine Reparatur-Station aufgestellt.Fahrrad-Reparatur-Station vorm großen, orangen BaumarktCool. Einfach freundliche Infrastruktur. Letztes Jahr hab ich mal drum gebeten, die Fahrradständer nicht mit den Pflanzenangeboten zuzustellen – machen sie auch nicht mehr, Danke! Und es kommen nicht wenig Leute mit dem Fahrrad zum Baumarkt, die Fahrradständer sind immer sehr gut besetzt, wenn ich mal da bin. Wenn man ehrlich ist, hat man auch eher selten große, schwere und/oder sperrige Sachen im Einkaufswagen. Fahrt mehr Fahrrad, seid die Henne, das Ei könnt ihr nicht sein.

(swg)

Das Thermometer – eigentlich alle in der Wohnung verteilten Wetterstationen – zeigen ~14°C um sieben Uhr morgens an; Ganz klar: T-Shirt-Tag! Es ist für mich der erste unter der Woche in diesem Jahr, die Jacke bleibt ganz zu Hause. Und weil ich zum Sport geh, radel ich auch in kurzer Hose auf Arbeit. Mittags, auf dem Rückweg von der Mensa, weht mir kräftiger Wind entgegen: sommerwarm.

(swg)

Mikas Wochenrückblicke

7.4.

Mikas Begeisterung für Baustellen-Fahrzeuge ist ungebrochen. Am großartigsten findet er Betonmischer. Heute Morgen fahren ich, wie immer, mit dem Fahrrad und Mika im Kindersitz zur Kita. Der Zwerg hampelt schon manchmal ganz schön in seinem Sitz rum, das man auf der Straße bissel rumeiert. An der Ampel über die Bergstraße warte ich auf grün, was kommt noch rüber? „‚tongmischaaa! Papaaa Papa! ‚tongmischaaaaa“ ich muss das Fahrrad gut festhalten, Mika flippt fast aus in seinem Sitz, ‚ja Mika, ein Betonmischer‘. Gott sei dank hab ich grün gekriegt und kann ihn auf der anderen Seite mit der großen Fraunhofer-Baustelle ablenken: Große Kräne!

10.4.

Maria hat sich schon am späten Nachmittag mit Freunden in der Stadt getroffen. Ich hatte kurzfristig Mika aus der Kita abgeholt; Mein Erste-Hilfe-Kurs war sehr pünktlich zu Ende und es blieb genügend Zeit. Mika hat sich sehr gefreut Alina vom Schlagzeug-Unterricht abzuholen. Er weiß natürlich, dass wir dann ein Eis essen gehen …

Mika versucht heute Abend das unvermeidliche – ins Bett gehen – zu vermeiden: Maria ist ja nicht da. Seine Taktik ist, nochmal was essen zu wollen; Milch gibt es ja nicht … Auf der Küchenanrichte futtert er Obst und Gemüse. Spielen gehen. Langsam wird es Zeit fürs Bettchen. Naaa, lieber ein Filinchen essen. Spielen! Es ist wirklich längst Zeit fürs Bett, ich würde auch glatt mit liegen bleiben. Nee, Müsli essen! So nu aber! Denkste … Spielen! Nee, Mika, vergiss es. Zähne Putzen, umziehen, Bettchen. „Maaaaamaaaaa“. Aber das Geschrei ist schon sehr verhalten, er weiß ja, dass Mama nicht in der Nähe ist. Inzwischen geht es auf 9 und ich bin einfach nur todmüde. „Ess! Ess!“ Nein, Mika, komm wieder ins Bett! Eine viertel Stunde später kommt er endlich angekrochen und legt sich auf meinen Bauch. Ich weiß nicht, ob ich das Lied noch zu Ende gesungen habe, ich bin so schnell eingeschlafen, als wäre ich ohnmächtig geworden. Viertel nach Zehn werde ich wach, Maria ist nach Hause gekommen. Mika hängt halb rückwärts von mir runter – ob das bequem ist, fragt sie. Was weiß ich denn, Mika lässt sich problemlos ganz von mir runter kippen. Gute Nacht.

16.4.

„Bäcka!!“ ist immer noch voll sein Ding.Mika mit Puppenwagen auf dem Weg zum BäckerMaria hat ihr Fahrrad im Keller abgestellt, dort hat Mika die alten Puppenwagen seiner Schwestern entdeckt. Mit einem fetzt er jetzt herum und hat Spaß. Auf dem Weg zum Bäcker etwa.

28.4. „Nudäln ess!“

„Nudäln ess!“ quäckt es. Alina hat kurz vorm Gehen festgestellt, dass sie ja heute ein Mittagessen braucht, in der Schule gibt’s für sie nur *bäh!* Maisnudeln; Also koch‘ ich schnell noch glutenfreie für sie. Mika hat das spitz gekriegt, lässt seinen Toast Toast sein und will „Nudäln ess!“. Und davon ist er nicht abzubringen.Mika am Frühstückstisch beim Nudeln essenAber dann können wir alle endlich aufbrechen, in Schule Kita und auf Arbeit.

(swg)

PHP Code Snippets Powered By : XYZScripts.com