Mikas Eingewöhnung in der Kita hat gut geklappt, er fühlt sich ganz offensichtlich wohl da. Er marschiert fröhlich durch Eingangstor und -tür und ist eher ungeduldig beim Umziehen. Gleich gibt’s nämlich Frühstück – denkt er. Jetzt, wo Maria und ich wieder arbeiten gehen, gebe ich ihn deutlich früher ab: Zwischen viertel und halb acht. Die Frühbetreuung findet gemischt mit dem Kindergarten statt, dadurch ist keine seiner Erzieherinnen da; Frühstück gibt’s erst gegen acht. Das ist so der einzige Punkt, der ihm missfällt: Mika steht jetzt wieder sehr lange zögernd an der Zimmertür. Wenn ich ihn dann doch über die Schwelle schiebe, am besten wenn gerade noch ein Kind abgegeben wird, verzieht er sein kleines Gesichtchen. Wirklich lange ist er aber nicht betrübt, weint wohl auch nicht. Sagt man mir jedenfalls beim Abholen.

Eigentlich holt Maria Mika nachmittags ab, heute aber nicht. Die beiden Großen brauchen noch Begleitung zu ihrem Parkour-Kurs; Der findet jetzt Mittwochs und oben in Gompitz statt. Damit ist montags Zeit für Hobby-Horsing frei geworden, das andere Steckenpferd meiner beiden Töchter. Was am wichtigsten dabei ist: Alina trifft ihre allerbeste Kindergarten-und-immer-noch-Freundin wieder. Die geht seit dem Kindergarten auf eine andere Schule, aber das Band ist halt nie zerrissen. Jedenfalls sind Hin- und Rückweg zum Parkour mit den Öffis nicht so trivial. Und weil Maria also die Begleitung gibt, hole ich Mika aus der Kita ab.

Zusammen mit dem Kindersitz und dem Obst-und-Gemüse-Einkauf vom Mittwochs-Markt ist das auf dem Fahrrad schon eine kleine Herausforderung. Die beiden Taschen vorn am Lowrider wiegen zusammen 14 Kilo; Ich hab Bammel, dass da eine Schraube aus der Gabel reißt. Ganz abgesehen davon, dass sich das jetzt schon recht beschissen lenkt: Hinten sitzt ja noch Mika in seinem Römer. Wenn der noch aus lauter Freude rumhampelt, dann schlingere ich wie besoffen und brauch die ganze Straße. Heute geht’s aber, mit etwas Umsicht und langsamer. So weit ist der Heimweg nicht.

Im nieseligen Kackwetter des heutigen Mittwoch zieht es mich eigentlich in die Wohnung. Auf rumsitzen am Sandkasten im Hof hab ich keinen Bock. Lediglich mein Vogelhaus geh ich kontrollieren. Vor zwei Tagen hab ich zuletzt gefüllt, naja, vielleicht ein Viertel fehlt: Mika nimmt mir den Becher aus der Hand und schöpft selber Körner aus dem Eimer in den von mir gehaltenen Trichter. Die Körner rascheln in dem Milchkarton hinunter. Viel braucht’s ja nicht. Man hört inzwischen ein paar Vögel krakeelen, die große Spatzenschar fehlt aber immer noch.

Für mehr interessiert sich auch Mika heute nicht im Hof, zum Glück. Aber er will vorne aus dem Treppenhaus wieder raus. Naja, meinetwegen. Recht zielsicher schlägt er den Weg Richtung Einkaufen ein. Zu spät fällt mir ein, dass ich mein Portemonnaie in den Fahrradtaschen vorm Aufzug gelassen habe. Und die ein Euro zwanzig in meiner Hosentasche werden nicht weit reichen. Beim Bäcker würde ich damit schon abblitzen.

Mika nimmt derweil jeden Poller mit und balanciert auf jeder Einfassung bis zum Konsum. Dort schnappt er sich einen Kinder-Einkaufswagen, bedeutet mir, ich soll da mal oben am Griff mit festhalten; Dann ziehen wir los. Einkaufen. Nach ein bisschen wahllosem Regale-Räubern entscheidet er sich für Pflaumen. Testweise leg ich eine auf die Kontroll-Waage: Dafür wird’s Hosentaschengeld reichen. Das man erst bezahlen muss, hat Mika noch nicht so verinnerlicht. aber auf dem Arm sitzend kann er mit mir nur an der Kasse warten. Wozu die Pflaume da auf dem schwarzen Band liegt, ist ihm scheint’s ein Rätsel. Neunundvierzig Cent später gehen wir zur Bank im Eingangsbereich. Dort sitzen wir dann, er beinebaumelnd, und essen die Pflaume. Also ich achtel sie mit dem Fingernagel und er katscht das Fruchtfleisch von der Schale, den Rest krieg ich zurück. Eigentlich würde er noch eine zweite Pflaume essen, draußen weiter spazieren ist aber auch ok.

Im Niesel spazieren wir einmal ums „Räcknitzforum“ herum. Als das Geschäfts- und Bürogebäude noch „Paradiesgarten“ hieß, war das eine schamlose Übertreibung. Der neue Name nähert sich der 90er-Jahre-Hässlichkeit etwas besser an. Ist trotzdem verschwendeter Beton. Vieles steht leer, weil einerseits die Mietpreise absurd hoch liegen und andererseits das Charme einer angehübschten Baracke durchs innere weht. Es ist hoffnungslos.

An der Straßenbahnhaltestelle wendet Mika dem Räcknitzforum verdienter Maßen den Rücken zu. Er will zu den Hochhäusern: Zu dem Wohngebiet führt eine Treppe – und das ist schließlich das Allerbeste: Eine Treppe hoch steigen.

Irgendwie scheint er aber noch ein anderes Ziel zu haben. Ohne Umwege schleift er mich geradeaus durchs Wohngebiet. Ich ahne es; Da hinten, neben dem letzten Hochhaus ist ein Spielplatz. Aber dass er sich daran erinnert?! Einmal war er hier mit Oma. Ja, wirklich. darauf hält er zu. Die Rutsche ist super, denn sie ist hoch. Sehr, für seine Verhältnisse.Uff! Das war ein ziemlich harter Aufschlag auf seinen kleinen Hintern. Eine Nasse Rutsche und eine Matschhose geben in der Kombination viel Schwung. Mika hat’s ziemlich weit von der Rutsche katapultiert und quasi sitzend auf den Kies knallt. Das ist aber nicht, worüber er sich beschwert: An seinen Händen kleben die nassen Kieselsteinchen, das findet er sehr doof. Nochmal rutschen will er trotzdem nicht. Vom Laufen hat er auch genug, ich trag‘ ihn jetzt einfach schnurstracks nach Hause. Gänzlich gegen seinen Willen scheint das nicht zu sein.

(swg)

Ich glaube, ich hab wieder zu spät angefangen zu füttern. Seit über einer Woche hängt jetzt mein Futterhäuschen im Hof. Aber das Futter wird nicht angerührt, es ist auch kein Vogel im Hof zu hören. Die lärmende Spatzenbande ist einfach nicht mehr da. Weg. Vor dem großen Regen war noch richtig was los im Hof.

Futter hab ich diesmal rechtzeitig bei Pauls Mühle bestellt, das kam auch ohne Umschweife an. Dann hab ich mir aber in den Kopf gesetzt diesmal ein besseres Dach auf mein Milchkarton-Vogelhaus zu setzen;Ein Dach das dauerhafter ist und nicht mit weggeschmissen werden muss (weil es auch nur ein aufgeschnittener Milchkarton ist und vom Rand her schnell durchweicht). Seit die Futterhäuser nicht mehr geklaut/vernichtet werden – ist den ganzen letzten Winter nicht mehr passiert – kann ich da auch in was dauerhafteres investieren.

Upcycling bleibt natürlich Trumpf: Unsere alte IKEA-Dekoschale aus Bambus – die Hultet – hat ihre erste und einzige Spülmaschinen-Fahrt nicht gänzlich unbeschadet überstanden. Ich durfte sie zweckentfremden, weil unser Obst jetzt in einer Hängeampel in der Küche rumlungert. Den Obstfliegen ist das egal, die finden es auch dort. Es hat sich nur lange gezogen, bis ich das Obstschalen-Ding wieder geklebt und mit Jachtlack überzogen hatte. Außerdem brauchte ich noch ’ne Ringmutter und -schraube ausm Baumarkt. Ein dauerhaftes Dach soll das nun sein, der Milchkarton lässt sich mit dem Karabiner leicht aus- und einhängen.Hoffentlich hält das so lange, wie ich glaube. Und hoffentlich kommen die Spatzen wieder.

(swg)

Es ist doch schön, wenn ein Plan mal funktioniert. Anfang 2017 hat sich Maria ein neues Fahrrad geleistet. Auch weil ich keinen Bock auf die Wartung ihres alten Rades mehr hatte: Ich mag den Aufwand nicht, den Kettenschaltungen machen, den Dreck, den sie sammeln, die Einstellerei… Außerdem war ihr Drahtesel gut 16 kg schwer! Es sollte ein Fahrrad ohne großen Wartungsaufwand sein, nicht zu schwer, aufrechte Sitzposition, Grenze bei 1000,- €.

Ein bisschen sind wir herumgetingelt, aber die einschlägigen Läden hatten nichts, was uns zusagte. Eigentlich wollten wir gar nicht beim XXL kaufen, aber gucken mussten wir wenigstens. Schließlich war gerade Frühlingsoffensive. Tja. Und dann stand da das Diamant 24/7: Scheibenbremsen, Nexus Inter-8 Premium, mit knapp 14 kg gerade noch ok – und als Highlight einen Zahnriemen statt Kette. Gar kein Dreck mehr! In seiner ganzen Zusammenstellung versprach das 24/7 genau den problemlosen Betrieb, den ich wollte. Kein Geputze und kein Gebastel. Einfach fahren.

Tatsächlich wäre das 24/7 nicht mehr im Budget gewesen, 1200,- € Liste haben es gesprengt. Aber es war im Angebot für 999,- €. Der Sattel war Schiet, weswegen wir den noch tauschen ließen. Den Spritzlappen am vorderen Schutzblech hab ich gleich zu Beginn noch angebaut: Damit sollte der Zahnriemen vorm Straßendreck und damit Verschleiß bewahrt werden.

Bis heute hat das 24/7 seinen Dienst vollkommen klaglos verrichtet. Nur anfangs war es im täglichen Einsatz: Institut, Slub, Weiterbildungen. Als Maria im Filk in Freiberg anfing, wurde es im täglichen Pendler-Einsatz vom Bernds-Faltrad abgelöst – das ist im Zug einfach praktischer und vor allem billiger. Aber für alle anderen Erledigungen in Dresden wurde es von Maria immer und gern benutzt. Auch für unsere Fahrrad-Urlaube musste es herhalten: Gar keine Mucken irgendeiner Art. Einen Lowrider vorn und einen Gepäckträger hinten hatte ich für den Urlaub montiert. Weil letzterer aber kacke aussah, kam er dann wieder ab; Nur der Lowrider blieb.

Weil Maria aber doch hin und wieder auch größere Taschen ans Fahrrad hängen will, musste irgendeine Lösung her. Ein reiner Taschenträger würde genügen. Ich wollte etwas halbwegs integriertes verbauen und den Schwerpunkt mit Gepäck möglichst weit unten halten: Die Längsstreben sollten unterhalb des Schutzblech-Scheitels liegen. Beim Stöbern fand ich bei einem Cube einen stabilen Taschenträger überm Hinterrad. Eigentlich war der spezifisch für das Cube. Aber probieren kann mans ja mal. Heute (tatsächlich nach Jahren) hab ich mich endlich daran gemacht, den Träger zu montieren.Cube Taschenträger am Diamant 24/7Cube Taschenträger am Diamant 24/7, DetailPasst ganz gut, oder? Ein bisschen hab ich mit Distanzhülsen vor allem hinten am Schutzblech ausgeglichen und die Rückleuchte musste ein Stück nach unten rutschen. Unterm Schutzblech hab ich einen Alustreifen zur Verstärkung untergelegt, das Schutzblech allein würde den Gepäckträger wohl nicht in Position halten. Alles in allem ließ sich das Teil gut verbauen. Mir gefällt’s wirklich gut.

(swg)