Wenn man davon absieht, dass sich hinter Eberswalde wieder einer versucht hat umzubringen, ist die Zugfahrt glatt verlaufen. Nicht mal das Umsteigen in Berlin, mit dem obligatorischem Gleiswechsel, war ein Problem. Der Bahnsteig blieb derselbe, nur umdrehend und gut. Als Fan der Deutschen Bahn würde ich mich ja nicht bezeichnen. Aber inzwischen, vor allem mit Kindern, fahre ich am liebsten mit dem Zug. Man ist von der Verpflichtung frei, irgendwas lenken zu müssen. Und insbesondere mit dem Auto ist man auf langen Strecken einfach nicht schneller, als mit dem Zug.

Die Bequemlichkeit, dass kleinste Kind nicht in seinen Sitz fesseln zu müssen, ist durch nichts zu ersetzen. Da hält man schon mal den jammernden Teenager aus, der deutlich mehr Stress verspürt als man selbst, wenn der Kleinste anfängt herumzuwirbeln und sein Gehirn abschaltet; Sei es aus Hunger, Langeweile oder beidem. Worüber sich dann gerne irgendwelche alten Schranzen aufregen, wie unerzogen, das Kind ja sei. Was noch mehr Stress beim Teenager macht und zusätzlichen bei mir, der schon mit Kinderhändling gefordert ist. Entweder hatten die nie Kinder – also Jungs – oder der Kalk rieselt schon so, dass geistiges Dunkel sich über alles weit vergangene gelegt hat. Ich frage mich, was das ist; Demenz kann es ja nicht sein, oder? Da geht ja erst die nahe Vergangenheit flöten und das Ferne wird wieder umso präsenter. Ich schweife ab.

Heute gab’s zum Glück nur eine Beschwerde: Über die Geräusche des Bauernhofbuches (die wir schon mit dem Finger auf dem Lautsprecher zu dämpfen suchten). Was das denn sei – ein Buch – und ob das jetzt sein müsse!! – Ja. Mein Angebot von Kindergeschrei stattdessen bis Berlin wurde stumm abgelehnt. Ich bin gespannt, ob sich das jemals ändern wird, Hoffnung hab ich wenig bis keine. Kinderfreundlich und -tolerant ist Deutschland immer nur so lange, wie die Kinder sich bilderbuchmäßig verhalten.

Oh: Und ich habe gelernt, dass die Deutsche Bahn in ihren ICEs einen IQ-Test eingebaut hat: Im Abteilwagen haben wir genau da gesessen, wo die Automatiktür das Großraumabteil abtrennt. Ungefähr Hälfte der Leute scheitert daran, den Sensor der Tür auszulösen. Man muss halt entweder recht nah an die Tür herantreten oder eben einfach mal winken. Scheint sehr schwer zu sein. Manch einer hat sogar umgedreht.

Schlussendlich hat uns der Zug mit 40 min Verspätung am Stralsunder Hauptbahnhof abgesetzt. Und so wie das gelaufen ist, bin ichs zufrieden; Mit dem Verlauf, mit der Freundlichkeit des Personals, dem Platz und allen Annehmlichkeiten einer Zugfahrt, und mit meinem Kaffee aus dem Bordbistro.

Jetzt hoffen wir mal, dass wir mit der Ferienwohnung mehr Glück haben, als die letzten Male. Vom Bahnhof aus lohnt es sich gar nicht darüber nachzudenken, wie man am Besten hin kommt: Ein Fußmarsch in die Altstadt, zur Nikolaikirche ist keine Herausforderung, eher eine Entspannung nach dem langen herumsitzen.

(swg)