Archives for the month of: August, 2007

Wir heulen über Spam? Guck mal in Gottes Postfach! (swg)

Single, kein Geschirrspüler und erst nach drei Wochen Lust zum Abwaschen Zeit zum Abwaschen kein Geschirr mehr im Schrank? Tipp: Abwasch schimmelt in der Tiefkühltruhe nicht! (sieht auch viel ordentlicher aus in der Küche) (swg)

Eigentlich kann man es Google nicht vorwerfen, wenn Menschen zu dumm zum Suchen sind. Technik ist eben nie besser als ihre Benutzer.

Mein „Best Search Award“ geht deswegen ans BKA: Aufgrund der Suchbegriffe „Ungleichheit“, „Gentrification“ und „Prekarisierung“ stießen Beamte der Behörde per Google auf Dr. Andrej H. und Dr. Matthias B.: Stadtsoziologen. Sie forschen zu diesen Begriffen, die für die Auf- oder Abwertung von Stadtvierteln benutzt werden, und haben entsprechende akademische Veröffentlichungen im Netz. Bei einer Überwachungsmaßnahme wurden drei Personen verhaftet, bei dem angeblichen Versuch Bundeswehrfahrzeuge anzuzünden. Die einzige Verbindung zwischen den drei anderen und Dr. Andrej H. ist ein „konspiratives Treffen“ mit einem der drei. Diese Tatsache und der „Erfolg“ beim Googeln genügte den BKA-Beamten, um eine „militante Gruppe“ zu konstruieren. Dr. Andrej H. wurde mit einkassiert.

Neben Dr. Andrej H. werden Dr. Matthias B. und zwei weitere Akademiker (die nicht zu den Verhafteten gehören) wegen ihrer wissenschaftlichen Arbeiten der „intellektuellen Täterschaft“ bezichtigt. Eine fast einjährige Observation (Videoüberwachung der Hauseingänge und Lauschangriff) wurde so gerechtfertigt. Höhepunkt der Maßnahme ist nun die Untersuchungshaft, in der Dr. Andrej H. seit drei Wochen sitzt. Heute kam er frei – unter Auflagen.

Man wirft Dr. Andrej H. und den drei Akademikern vor in ihren akademischen Veröffentlichungen „Formulierungen und Schlüsselworte“ verwendet zu haben, die von einer militanten Gruppe benutzt würden. Außerdem besäßen sie als Mitarbeiter eines Forschungsinstituts Zugang zu Bibliotheken für Recherchen, die notwendig sind, um Texte für eine militante Gruppe zu verfassen (so die taz). Das konspirative Moment des Andrej H. vorgeworfenen Treffens ist übrigens sein daheim gelassenes Handy… Christina Clemm, Rechtsanwältin von Dr. Andrej H., veröffentlicht selbst in einem Blog, das die Vorgänge detailierter zeigt.

Was mich hier neben der Absurdität der Vorwürfe zusätzlich umtreibt ist folgendes: Wenn man sich seitens der Behörden hier schon beim Googeln so… „ungeschickt“ anstellt, was passiert dann wohl, wenn erst umfangreiche Datensammlungen entstehen, wie sie mit der Vorratsdatenspeicherung geplant sind? (Bitte mal alle oben rechts auf die Ecke klicken!) Werden wir dann mitverhaftet, weil wir uns in der gleichen Funkzelle befanden, wie ein von der Polizei als Terrorist Verdächtigter? Und selbst wer keine Verbindungsdaten erzeugt: zu einem Treffen zu gehen und sein Handy zu Hause zu lassen – so denkt die Polizei – ist konspiratives Verhalten. Na prost Mahlzeit.

Artikel bei der taz
Meldung bei heise
ein und ein zweiter Artikel bei Telepolis

da kommt sicher noch mehr (swg)

Liebe GEZ (Köln)!
So unglaublich sich das in Ihren Ohren anhören mag: es gibt Leute, die tatsächlich ohne Fernseher überleben können! Freiwillig!! und ganz ohne Zwang – niemand mit durchgeladener Waffe hinter der Tür. „Unvorstellbar!“, „Nicht zu fassen!“, meinen Sie, und: „…müssen ja total gestörte, asoziale Typen sein!!1!“ hör ich Sie hinter vorgehaltener Hand tuscheln. Gerne werde ich aber Ihren Erfahrungsschatz weiten. Es soll wirklich Individuen geben, die ihren Abend nach getaner Arbeit mit anderen Dingen zu füllen wissen, als sich aus einer wahlbeschränkten Kiste berieseln zu lassen. Treffen Sie sich doch mal mit anders interessierten: unterhalten Sie sich mit Ihren Außendienstmitarbeitern! Die sitzen nach 20:00 auch nicht, wie der gute Durchschnitts-Deutsche, daheim auf der Couche. Na-hain! Die schauen aufmerksam an den Fasaden entlang, den bläulichen Schimmer noch unerspähter Fernsehgebühren-Einzugsvollmacht-Verheißung zu entdecken und sie spähen in blaue Container, zu entdecken das Indiz der Fernsehwochenplanung: die TV-Zeitschrift! Sowas ist oft viel spannender, als die Ursache des blauen Leuchtens! – zumindest für manchen. Leute, die sich weder mit fernsehen noch mit beim-Fernsehen-beobachten beschäftigen, sind einen Tick komplizierter. Die machen die anderen Sachen nämlich außerhalb ihrer Arbeitszeit – die werden nichtmal dafür bezahlt, nicht fernzusehen! „Absurde Gestalten!“, möchte man da ausrufen, „Die sind ja suspekt!“ Und was das bedeutet – kein Fernsehen!!!: „Am Ende haben solche Leute auch noch eigenen Ideen! Wo kommen wir denn hin, wenn Leute Zeit haben – und dann ausgerechnet für eigene Ideen?! Dafür gibts ja gar keine Zentrale! Sowas ist ja nur nicht verboten, weil es nicht nicht erlaubt ist! Gefährlich!1!!!1!“ „Blöd!“, kann man an dieser Stelle zusammenfassen. Ist aber so, und kommt auch in ganz wirklich so vor.
Ihre Briefe werden im Übrigen nicht besser dadurch, das Sie sich besonders unterwerfungsbucklig im zweiten Absatz derselben für die Unanehmlichkeiten entschuldigen. Es reicht eben nicht, zu wissen, dass man die Geduld des abgeneigten Adressaten „arg strapaziert“. Nein, Konsequenzen muss man ziehen und die Strapaze gleich erlassen.
Wieviel schöne, aber nun nicht produzierte, Radiobeiträge könnten aus dem von Ihnen verschwendeten Porto für Briefe an Radiogebührenzahler erwachsen? Aber hier gerät man wohl zu leicht ins Spekulieren. Wer nur Radio bezahlt, tut das vielleicht aus Intention? Wer aus Prinzip nicht zahlt, bezahlt normaler Weise doch eigentlich gar nichts?! Oho, vermessene Annahme! Und wer fühlte sich eigentlich bemüßigt, aufgrund Ihres (übrigens unter Diskriminierungspunkt vier des Formulares fehlerhaften) Briefes mehr zu bezahlen? Es wäre nach meinem Dafürhalten ausgesprochen zuvorkommend von Ihnen, weder meine noch ihre Intelligenz weiter zu beleidigen, indem fortgesetzt derartig Papier und andere Ressourcen von Ihnen verschwendet würden. Sollte mir aber tatsächlich einmal spontan ein Fernseher furunkelgleich aus dem Ellenbogen wuchern, werde ich – noch vor ärztlichem Rat – ihren Gebühreneinzugsauftrag einholen. Bis dahin freue ich mich, von Ihnen durch gespartes Briefporto beglückt zu werden. (swg)

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